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Profil löschen oder behalten? – Datenschutz bei Facebook

„Die Diskussion um den Datenschutz im Netz wird derzeit von einer Generation vorangetrieben, die sich in den 80er Jahren gegen die Volkszählungen zur Wehr gesetzt haben.“



Zumindest dachte ich das, als wir unser Statement für das Facebook Special auf jetzt.de abgaben. Nach einigem Recherchieren bin ich nun der Überzeugung, dass auch die digital Natives, also die Nutzer, die eine Welt ohne Handy und Internet nicht erlebt haben, dem Thema Datenschutz auf Facebook sehr kritisch gegenüber stehen.

Bildquelle: philippe leroyer


Wir sind keine Datenschutz-Experte, jedoch denken wir, dass Facebook zahlreiche Vorkehrungen getroffen hat um die persönlichen Daten seiner Nutzer zu schützen. Größere und kommerziell genutzte Netzwerke wie Facebook oder die VZ-Netzwerke bieten mittlerweile sehr ausdifferenzierte Privatsphäre-Einstellungen, die die Kontrolle der persönlichen Daten zum Großteil in die Hände des Nutzers legen.

Inwieweit Mechanismen im Back-End bestehen, um die Datenbanken und FB-Connect-Server zu schützen, wissen die User natürlich nicht im Detail. Wichtig ist, dass sich die User über die Möglichkeiten der Einstellungen genügend informieren und sich der Problematik bewusst sind. Die Medien haben hier ihre Aufgabe erfüllt und in den letzten Monaten sehr ausgiebig darüber berichtet. Diese Aufklärungsarbeit war notwendig und nun liegt es auch an der Mündigkeit der Nutzer, die Verantwortung dafür zu übernehmen, was sie ins Netz stellen und was nicht.


Sozialer Druck auch auf Kinder

Es gibt einen großen sozialen Druck sich in den Plattformen zu engagieren und mit seinen Kontakten und Freunden zu vernetzten. Wer nicht dabei ist, ist out. Das beginnt schon im Kindesalter und bringt neben all den Vorteilen auch Risiken mit sich. Besonders bei Kindern und Jugendlichen stehen die Lehrer, vor allem aber die Eltern vor der Aufgabe zu wissen, was ihre Kinder im Netz tun. Die Eltern haben oft nicht die Medienkompetenz um ihre Kinder „digital“ zu beraten und ihnen die Probleme aufzuzeigen, die bei der Nutzung entstehen. Vielleicht sollte man hier ansetzen und den Eltern mehr Hilfestellungen geben, sich in den neuen Medien zurecht zu finden. Facebook hat hier seine Hausaufgaben gemacht und bietet Hilfestellung für Eltern. (Bildquelle: Lianne Viau)

Facebook verbietet übrigens Kindern unter 13 Jahren grundsätzlich die Nutzung der Plattform. Für die Kontrolle der Mediennutzung im Web sind ausschließlich die Eltern verantwortlich. Auch StudiVZ bietet Eltern und Lehrern Hilfestellung, auf einer eigenen Hilfeseite, die Nutzung ist hier ab 12 Jahren erlaubt.

Mark Zuckerberg, der Gründer von Facebook, proklamierte vor kurzem das Ende der Privatsphäre im Web. Und er hat zum Teil sicher Recht damit. Auch im „offline-leben“ kann man (mit entsprechendem Aufwand) den Aktivitäten der Menschen folgen, sehen, was sie gerne tun, wer ihre Freunde sind und wo sie sich aufhalten. Im Gegensatz zur Offline-Welt, bieten Social Networks schon heute sehr detaillierte Einstellungen um genau dies zu verhindern. Dabei ist es wieder der Nutzer selbst, der bestimmen kann, welche Informationen er an wen preisgibt. Aber diese Mechanismen befreien den Menschen nicht automatisch von der eigenen Sorgfaltspflicht: Jedem muss bewusst sein, dass er persönliche Informationen mit einem größeren Kreis an Menschen teilt und diese Informationen selektieren und vertreten muss. (Bildquelle: jdlasica)

Lösungen des Dilemmas

Wir nutzen alle die Vorteile von Facebook, wir vernetzten uns mit Freunden, Geschäftskontakten und entfernten Bekannten. Es ist möglich mit Menschen Kontakt zu halten, die man einmal im Urlaub getroffen hat oder nur flüchtig kennt. Wir planen Partys und Konzerte über die Event-Funktionen, Unternehmen schaffen Markenauftritte und niemand überprüft dabei die Korrektheit unseres Facebooknamens mit den Daten unseres Personalausweises. Wir sind nicht auf Facebook, weil wir dazu gezwungen werden – es steht uns frei. Das Beste daran, alles ist kostenlos!
Dass man dafür personalisierte Werbung in Kauf nehmen muss und eine Vermarktungsstrategie Geld einbringen muss, sollte jedem intuitiv klar sein.

Wer nicht möchte, dass seine Daten genutzt werden, hat folgende Möglichkeiten, die nach unten hin an „Radikalität“ abnehmen…

  1. …Facebook fernbleiben oder das Profil löschen (dies dauert ungefähr 14 Tage bis die Daten endgültig gelöscht werden).
  2. …einen Nickname verwenden, so dass eine personalisierte Zuordnung unmöglich ist.
  3. …nur selektiv Daten einstellen, deren allgemeine Bekanntheit durch Dritte kein Risiko für den Profilinhaber darstellen.
  4. …sich über die Profileinstellungen genauestens informieren und für die eigenen Zwecke justieren (sollte jeder tun).

Sollten Unternehmen die Daten ihrer Kunden, Mitglieder oder Geschäftspartner missbrauchen, lösen sie damit zwangsläufig einen Skandal aus. Deshalb ist es in ihrem Interesse, dies nicht zu tun. Hier machen mir allerdings Behörden, Versicherungen und Banken mehr Sorgen als die Sozialen Netzwerke.

Weitere lesenswerte Artikel zum Thema:

Philibuster – Facebook Protest die Kinder fressen ihre Revolution
jetzt.de – Facebook Dilemma
[PDF] Infoblatt von SchülerVZ für Eltern und Lehrer

Datenschutz vs. Social Communities

dsDas Thema Datenschutz ist ein wichtiger Aspekt, der nicht außer Acht gelassen werden sollte. Die jünsgste Datenpanne bei SchülerVZ (ist ein Tochterprojekt von StudiVZ) hat gezeigt, dass die Daten bei den Communities nicht sicher aufgehoben sind. Gerade weil solche Portale Unmengen von Daten horten, sind sie ein großes Ziel von Hackern, die die Daten sammeln und weiterverkaufen oder in sonstiger Weise Missbrauch betreiben. Die User-Daten sind sehr viel Wert! Es sei also zu überlegen, welche Daten Preis gegeben werden.

Es sollte auch nicht in Vergessenheit geraten, dass durch solche Portale unter Umständen Daten veröffentlicht werden, die online nicht auftauchen sollen, wenn man sich zum Beispiel in einer Bewerbungsphase für eine neue Arbeitsstelle befindet. Personaler nutzen heutzutage solche Communities, um über den Bewerber mehr herauszufinden, als die Bewerbung hergibt. Alleine eine einfache Suche über Google kann einem Personaler schon viel Preis geben und Profile bei Communities offen legen. Ich kann deshalb an jeden Community-User nur appellieren, sich die Zeit zu nehmen, die Privatsphäreeinstellung gründlich durchzusehen.

Es gibt es bei den meisten Portalen heutzutage die Einstellungsmöglichkeit, dass die Profile nicht in Suchmaschinen auftauchen sollen. Des Weiteren kann eingestellt werden, dass das vollständige Profil auch für nicht befreundete, aber angemeldete User in der jeweiligen Community nur eingeschränkt sichtbar ist und nur die Freunde es vollständig einsehen können. Ebenso kann man die Freunde in Kategorien einteilen, zum Beispiel in privater Freundeskreis, Firma, usw. All dieses sollte unbedingt beachtet werden. Es kam in der Vergangenheit in den USA schon zu einer Kündigung eines Arbeitsverhältnisses, weil eine Arbeitnehmerin nicht daran gedacht hat, dass sie ihren Arbeitgeber bei sich unter die allgemeinen Freunde aufgenommen hat und sie über ihn schlecht geredet hat.

Ein weiter Grund, weshalb nicht zuviel Daten veröffentlicht werden sollten, ist der, dass Unternehmen anfangen, die Social Communities nach Daten zu durchforsten, um diese zu Marktforschungszwecken zu verwenden. Wo diese Daten schlussendlich landen, ist oft ein Geheimnis, sodass für mich die Veröffentlichung der eigenen Daten einen faden Beigeschmack mit sich zieht.

Mein Résumé: Online Communities werden die Welt positiv verändern, aber jeder sollte seinen Beitrag daran leisten, nicht zu viel von sich Preis zu geben.

Wie stehen unsere Leser zum Thema Datenschutz in Social Communities?

[Grafik: Hanns Kronenberg]