Was verdienen Blogger monatlich?

Blogparade: Paid Content oder wie gut ist mein Inhalt?

Robert Weller hat zu einer Blogparade aufgerufen, welche sich mit der Frage beschäftigt, ob man für den eigenen Content Geld bezahlen würde und wenn ja, ob grundsätzlich oder nur für ausgewählte Beiträge. Damit schlägt er in eine Kerbe, welche gestandene Journalisten schon länger beschäftigt – nämlich der Frage, wie man mit Inhalten Geld verdienen kann. Darum dreht sich auch dieser Beitrag.

Was ist eigentlich gut und wer entscheidet darüber? 

Die Bloglandschaft im Internet ist vielschichtig. Es gibt sehr viele gut gepflegte Blogs, die sich inhaltlich eher mit der konkreten Anwendung beschäftigen. Dabei gibt es Anleitungen wie man einen Blog bei WordPress einrichtet und/oder Lösungsmöglichkeiten zu den angesagtesten Onlinespielen.

Die Frage, wie viel mir ein solcher Beitrag wert ist, stellt sich für mich immer in Korrelation zum verbleibenden Angebote – oder anders gesagt: Ich bin ein Kind meiner Zeit. Geiz ist geil ist die Parole, die mir anerzogen wurde. Damit stelle ich immer wieder ein emotionales Hindernis fest, wenn ich für eine Dienstleistung im Internet Geld bezahlen soll.

Da google ich schnell, weil irgendwo wird man eine Lösung zum gesuchten Problem finden (oder wie eine Freundin stets sagt: Es gibt kein Problem, wozu es bei YouTube kein Video gibt). Sollte man einmal leer ausgehen, dann hat man mindestens einen spannenden Blog, den man doch häufiger besuchen möchte, gefunden. Bezahlen würde ich auch für den besten Beitrag der Welt vermutlich erst dann, wenn ich es müsste.

Meine Motivation dazu ist eher gering. Das liegt vielleicht auch an den vielen Gesprächen in denen Menschen kostenlos von mir Ratschläge erhalten – oder sich eben nach dem Gespräch mit dem Vorsatz es „mal eben“ selbst zu machen einfach nehmen.

Was ist ein Beitrag im Internet wert?

Dieses Grundproblem stellt auch Journalisten vor ein ähnliches Problem: Warum sollten Menschen motiviert sein, Geld auszugeben, wo sie doch daran gewöhnt sind, dass alles kostenlos sei, was online steht. Wie also kann man diese Pattsituation möglichst gewinnbringend auflösen?

Tatsächlich kann es hier nur um den Wert der Information gehen: Aktuell gibt es zahlreiche Whitepaper, in denen Unternehmer versuchen sich durch geballtes Wissen als Experte zu positionieren und Leads zu generieren. Daraus entstehen manchmal auch Käufe. Oft – so meine Vermutung – wird es dabei zum brancheninternen Austausch unter Experten kommen.

Kurzum: Es geht also um Mehrwerte, die man zusätzlich zu Bestehendem erschaffen muss, um die Zahlungsbereitschaft zu steigern. Die Qualität darf dabei natürlich nicht zu kurz kommen, ist jedoch nur ein Faktor unter vielen Anderen.

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Bezahlen – aber wie eigentlich?

Hat man diesen Mehrwert geschaffen, steht man vor der Frage, wie eigentlich bezahlt werden kann. Damit kommen die nächsten Hürden auf, denn Dienste wie Flattr, welche bislang genutzt wurden, erfordern eine vorherige Anmeldung.

Ein einheitliches Zahlungssystem bzw. die Internetwährung gibt es nicht – selbst Dienste wie PayPal sind noch lange nicht als einheitliches Zahlungsmittel etabliert. Gleich wie man also versuchen wird diesen Zwiespaltlösen zu können, wird man stets zahlungsbereite Menschen aufgrund des Angebots verlieren.

LaterPay scheint hier einen anderen Weg zu gehen, dessen Erfolg man abwarten muss: Es verschiebt die Anmeldungshürde nach hinten und erst bei einem Betrag von 5 Euro (kumuliert) muss diese vorgenommen werden. Je nachdem wie hoch oder niedrig die geforderten Beiträge ausfallen rückt dieser Zeitpunkt näher oder weiter weg.

Ob sich LaterPay durchsetzen können wird, darf ebenso bezweifelt werden, wie die Frage, ob das Angebot einer einfachen Zahlungsabwicklung dafür reicht, messbare Umsätze für Blogs hinter denen kein bekannter Journalist oder Blogger steht zu erzielen. Insofern verwundert es nicht, dass die gezeigte Statistik von Statista belegt, dass es eher kleine Umsätze in der Breite gibt als wirkliche große Einnahmen.

Wenn Blogbeiträge Werbung sind: Sponsoring und Blog?

Grundsätzlich muss man wohl bei einer solchen Konstellation immer fragen, wem es wirklich nützt. Bei einem Sponsoring verhält es sich in der Regel so, dass ein Blogger Beiträge veröffentlicht, welche bestimmte Produkte zB als Test behandeln. Somit wirken die Beiträge wie earned media – sind aber aufgrund des nicht immer angegebenen Sponsorings in Wahrheit paid media.

Ohne jetzt die Diskussion starten zu wollen, wo genau die Grenze zwischen earned und paid media verläuft, muss man sich doch fragen, wem es am Ende nützt. Wer profitiert wirklich von einem Beitrag, der im Kern die Message des Unternehmens umfasst – und tut er das überhaupt?

Werbung ist immer dann wirksam, wenn die Produkteigenschaften positiv transportiert werden. Wer also denkt, dass Beiträge, die gegen Entgelt im eigenen Blog veröffentlich werden, wirklich neutral sind, täuscht sich. Der Nutzer profitiert insofern gar nicht, sondern wird durch scheinbare Objektivität getäuscht.

Das Unternehmen profitiert schon eher davon: Neben dem Backlink erhält es im Bereich der Glaubwürdigkeit Zuwachs. Zudem kann ein gezielter Blogbeitrag auch neue Kundensegmente auf ein bestimmtes Produkt aufmerksam machen und neue Erlöse herbeiführen.

Der Blogger erhält meistens einen materiellen Gegenwert für seinen Test, welcher nicht selten auch behalten werden darf. Üblicherweise handelt es sich um Proben. Teure Geräte wie Laptops oder Handys werden üblicherweise zurück gegeben. Damit wird klar, wer von dieser Sonderform der Erlöse profitiert.

Diese Einnahmequelle ist natürlich auch wieder an Reichweite gebunden, sodass sich der Zusammenhang zwischen Einnahmen im Blog – gleich ob Sponsoring oder anders – und Reichweite des Blogs offensichtlich wird.

Das Geschäftsmodell Blogger

Führt man diese Aspekte man auf das dahinter stehende Geschäftsmodell Blog zurück, zeigt sich, dass der Revenue Stream nur über große Reichweiten zu erreichen ist. Ein Umstand, welchen viele Blogbetreiber nur aufgrund Ihrer kostenlosen Ratschläge verzeichnen können. Die beliebten Listen, welche Ratschläge geben, wie man Social Media Marketing richtig anpacken kann, erfreuen sich vor allem deshalb großer Beliebtheit, weil sie kostenlos sind. Wären sie kostenpflichtig, würden vermutlich viele Menschen darauf verzichten.

Motivation – ob diese in- oder extrinsischer Natur sei, ist an dieser Stelle dahin gestellt –  steigt nicht durch ein Invest mit unbekanntem Inhalt an. Das Einzige, was dort ansteigen kann, ist das Gefühl von Risiko – und dieses ist einem Kauf nicht gerade förderlich. Damit beantwortet sich auch die aufgeworfene Frage von Robert Weller:

Würde ich für meine Inhalte Geld bezahlen? Nein. Ich bin mir bewusst, dass Menschen gerade im Bereich Aus- und Weiterbildung gern meine Beiträge lesen. Ich bin mir auch bewusst, dass viele Menschen auch die kritische Sicht auf Social Media schätzen. Ich weiß aber auch eins: Niemand würde mir dafür Geld bezahlen, solange es Beratungsangebote von Weiterbildungsanbietern und kostenlose Pressemitteilungen gibt. Da strengt man lieber den eigenen Kopf an, als sich die Informationen geballt zu holen. Faulheit – so mein Fazit – siegt eben nicht immer.

 

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Über Katharina Antonia Heder

Katharina Antonia Heder betreibt New Media Agentur some.id[eas].some.id[eas] liefert Inhalt. Dabei erhält man sowohl Beratung zu allen Themen rund um Social Media als auch ausgearbeitete Inhalte für soziale Netzwerke und andere Veröffentlichungen.Katharina Heder begleitet Unternehmen zusätzlich von der Idee Social Media bis zur Umsetzung eines Social Business. Sie hilft strategische Überlegungen zur Implementierung der neuen Medien in Unternehmen zu führen und diese in Taten umzusetzen.Gleichzeitig steht sie mit der Kurzform - some.id[eas] - für ein kreatives, aufgeschlossenes Marketing, welches gern vom 08/15 Pfad abweicht und neue Wege beschreitet. So erklärt sich auch ihr Credo: Menschen berühren, Leidenschaften wecken und den Alltag erlebbar machen.Daneben ist sie auch sportlich aktiv: Ihre große Liebe gilt dem Handball und "...weil Worte ihre Sprache sind" beschreibt sie treffend. Sie twittert unter some.id[eas]

5 Gedanken zu „Blogparade: Paid Content oder wie gut ist mein Inhalt?

  1. Robert Weller

    Hi Katharina,
    wie auch schon bei Google+ zuerst ein großes Dankeschön von mir für deine Teilnahme und den wirklich sehr tiefgründigen Beitrag.

    Ich finde es sehr schade, dass du selbst nicht für deine Beiträge bezahlen würdest, denn für mich wäre diese Einstellung der erste Schritt. Erst wenn ich selbst von der Qualität meines Contents überzeugt bin (wobei ich diese Überzeugung durch möglichst objektive Kriterien gewinnen sollte, wie bspw. Traffic, Links & Interaktion), kann ich selbstbewusst genug auftreten um von anderen eine Gegenleistung verlangen.

    Davor, da geb ich dir Recht, finden sich sehr wahrscheinlich genug Alternativen zu meinem Content, denn dann ist er wahrscheinlich nicht einzigartig 😉

    Es bleibt, so kristallisiert es sich insgesamt heraus, doch ein sehr unterschiedlich diskutiertes Thema, dass auf keinen wirklichen Konsens hinaus läuft. Warten wir mal ab, was noch kommt, die Zusammenfassung schreib ich ja erst in zwei Wochen.

    Liebe Grüße,
    Robert

  2. Pingback: t3n-Blogperlen: Das sind die 10 besten deutschsprachigen Social-Media-Blogs » t3n

  3. M. De Micheli

    Grundsäztlich ja, es ist eine Frage des Nutzwertes und der Attraktivität des Themas. Fair ist gegenüber dem Nutzer eine Leseprobe, bei der er die Qualität, den Nutzwert und die Eignugn des Contents beurteilen und bei Gefallen kaufen kann. Letztlich entscheiden auch hier Markt und Kunden – wenn sie zu zahlen bereit sind, ist es der Content auch wert und ein wichtige Beitrag, die Gratiskultur im Internet abzubauen.

  4. Katharina Antonia Heder Artikelautor

    Lieber Robert,

    vielen Dank für dein Feedback.

    Ich bin von der Qualität meiner Beiträge überzeugen. Das zeigt mir nicht nur der objektive Bereich (Shares, Traffic u Co.), sondern vor allem das subjektive Feedback der Nutzer, die diese Inhalte sehr sehr gern lesen. Ich weiß, dass ich in vielerlei Hinsicht seltenen bis einzigartigen Content liefere. Ich müsste aber eben wie jeder andere Blogger auch lügen, wenn ich sagen würde, dass es nicht irgendwelche Grundlagen gibt auf denen meine Gedanken aufbauen.

    Insofern: Wie unique ist ein unique content wirklich?

    Nachdem ich einige andere Beiträge bei dir gelesen habe, zeigt sich für mich etwas anderes: Anderson hat damit recht, wenn er in seinem Buch Free davon spricht, dass wir uns diese Internet ist kostenlos Haltung selbst angewöhnt hat. Man kann das Rad nicht mehr zurück drehen und sagen: So das kostet jetzt alles Geld (aka Paywall).

    Was man aber kann, ist zu versuchen, mithilfe zus. Inhalte und Leistungen Einnahmen zu generieren. Das erscheint mir persönlich der erste Schritt hin zu einer möglichen Monetarisierung von Inhalten, weil sich daraus die Nutzenargumentation für den Verbraucher ergibt.

    Viele Grüße

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