Pinterest Deutschland

5 Irrtümer und Fakten zu Pinterest für Unternehmen in Deutschland

Pinterest war dieses Jahr zweifelsohne einer der heißen Kandidaten im Social Media Marketing zahlreicher Unternehmen. Sogar in Deutschland sind erste Pioniere in die Welt der Bilder eingestiegen.

Pinterest hat sich das vorgenommen, was andere bereits in verschiedenen Ausprägungen versuchen – das visuelle Web noch einfacher, noch greifbarer zu machen. Die Idee: Nicht wie Instagram, Flicker oder Picasa NEUE bildliche Eindrücke dem Web hinzufügen, sondern das VORHANDENE visuelle Web in Form von Bookmarks neu und individuell aufgreifen.

Sämtliches Bildmaterial im Web kann der Nutzer über ein Bookmarklet, Browser-Addon oder speziellen „Pinit“-Button in eigenen „Boards“ abspeichern. Diese sind überwiegend öffentlich einsehbar und bilden im Sinne von Pinterest ein Profil (Wünsche, Vorlieben, Geschmack, Hobbies usw.) des Nutzers in Bildern. Diese Bilder („Pins“) werden dabei automatisch mit der URL der Herkunftsseite versehen, was im besten Fall eine Menge Backlinks für die Urheberseite des Bildes bedeutet. Vor allem diese Funktion ist es, die neben den generellen Vorzügen visueller Kommunikation Unternehmen hellhörig werden lässt.

Neben internationalen Shopping-Plattformen wie dawanda und etsy (die Pinterest bereits seit einiger Zeit sehr erfolgreich einsetzten), erschienen jüngst auch deutsche E-Commerceler wie Zalando und OTTO sehr aktiv auf der Bildfläche. Abgerundet wird der positive Eindruck von sehr interessanten Zahlen & Fakten zur sehr weiblichen Zielgruppe, hohen Conversion Rates bei „Pinterest-Shoppern“ und klaren/fokussierten Themengruppen. Doch gerade hier lohnt es sich, genauer hinzusehen, bevor man das Pinterest-Marketing-Jahr 2013 ausruft. Denn hier ist mal wieder schön zu sehen, dass Statistiken und Umfragen aus den USA häufig unreflektiert 1:1 auf Deutschland übertragen werden. Darum hier nun 6 vermeintliche Zahlen & Fakten zu Pinterest, die nicht so einfach auf den deutschen Markt zu übertragen sind.

1. Pinterest hat ein enormes Wachstum hingelegt!


Ja, Pinterest ist vor allem zwischen 2011 und 2012 sehr stark gewachsen (Grafik: Businessinsider). Kurzzeitig wurde bereits spekuliert, dass Pinterest sogar Google+ und Twitter den Rang ablaufen könnte. Dieses Wachstum hat sich im laufe des Jahres jedoch normalisiert. Und ein Blick auf die Besucherzahlen aus Deutschland zeigt, dass wir (noch?) nicht von der Pinterest-Euphorie gepackt wurden. Orientiert man sich an verschiedenen Statistiktools wie Alexa, Google Ad Planner & Co. (leider stellt Pinterest sehr wenige Daten zur Verfügung) beläuft sich der deutsche Traffic auf ca. 3% was ungefähr 700.000 Unique Visitors im Monat bedeutet. Recht übersichtlich neben Facebook, Google+ & Co.

2. Pinterest ist DER Trafficlieferant für produkt- und bildlastige Seiten!


Diese Aussage gilt nicht pauschal, wie man einer Untersuchung von Shareaholic entnehmen kann. Es ist zwar durchaus eindrucksvoll, dass Pinterest Web-Größen wie Yahoo und Bing hinter sich lassen kann, dennoch ist Facebook klar die Nummer 1 bei den Social Referral Sites. Für die Social Media Planung 2013 sollte daher unbedingt der INDIVIDUELLE Referral-Traffic analysiert werden. In vielen Fällen ergibt sich ein besserer ROI, wenn ein bereits starker Social Referrer weiter unterstützt wird, statt ein neuer von null aufgebaut wird. In bestimmten Fällen können durch das neue Netzwerk jedoch auch neue Zielgruppen erschlossen werden. Entscheiden Sie individuell!

3. Pinterest wird überwiegend von Frauen genutzt!


Wie man in dieser doubleclick Analyse erkenn kann, eine der fatalsten Behauptung für den deutschen Markt! Wahrscheinlich haben sich die Werte seit Juni diesen Jahres etwas verändert, dennoch wird es sich nicht zu einem so starken weiblichen Überhang gewandelt haben wie in den USA. Wieder kommt es auf das Unternehmen, seine Produkte und Zielgruppen an. Es ist durchaus möglich, dass sich in Ihrer Zielgruppe zu Ihrem Thema mehr Frauen als Männer auf Pinterest aktiviert fühlen, jedoch kann dies nicht pauschal vorausgesetzt werden!

4. Pinterst Nutzer kaufen mehr, häufiger und schneller!


Und auch bei dieser Aussage sollten Sie genauer hinsehen. Leider gibt es hier keine Untersuchung aus Deutschland, jedoch kann bereits bei den USA Zahlen sehen (Grafik: RichRelevance), dass Pinterest neben Facebook nur im Warenkorbwert die Nase vorne hat. In den Punkten Social initiierte Shopping-Sessions und Conversion Rate liegt Facebook haushoch vorne. Auch hier sollten die Zahlen aus den Staaten natürlich nicht einfach für Deutschland übernommen werden. Prüfen Sie die Werte wieder individuell an Ihrem Shop. Im Zweifel gilt wie bei Punkt 2: Haben Sie bereits einen starken (sozialen) Sales-Treiber, überlegen Sie genau ob es sich lohnt einen zweiten aufzubauen.

5. Fashion ist DAS Thema auf Pinterest!


Diese Verteilung von repinly zeigt, dass dies eher eine subjektive Aussage ist. Ja, in den TOP 5 der Themen auf Pinterest tummeln sich recht weibliche Themen wie Basteln, Food und Einrichtungsgegenstände. Die größten Kategorien setzten sich allerdings aus „Other“ und „Remaining Categories“ zusammen. Zugegeben, besonders aufschlussreich sind diese auch nicht, es sollte jedoch ausreichen um auch diese Pauschalaussage individuell zu hinterfragen.

6. Wie bei Facebook sind Follower und Likes die wichtigsten KPIs!

Deutsche Webshop Pins

Vorab: Ob dies tatsächlich die wichtigsten KPIs auf Facebook sind ist zurecht umstritten. Jedoch lässt sich gerade hierzulande diese Überzeugung in vielen Marketingabteilungen finden. So findet man sich auch vermeintlich schnell bei Pinterest zurecht – Follower *check* Likes *check* und los geht das Sammeln.
Doch hier gilt noch mehr Vorsicht als bei Facebook! Selbst etsy (die auf Facebook über 1 Mio. Fans haben) schafft es bei Pinterest nicht ganz auf 200.000 Follower und auch deutsche Größen wie Zalando und OTTO können Pinterest in keinem Fall mit ihrer Facebook-Fanschaft vergleichen. Müssen sie auch nicht! Denn auf Pinterest haben Sie einen wesentlich einfacheren KPI – einfacher zu beeinflussen und einfacher zu messen – den Pin. Denn jeder Pin von Ihrer Seite ist ein weitere Link im Web zu Ihrer Seite, Ihrem Shop und Ihren Produkten. Wie in der Grafik und Tabelle von searchmetrics zu sehen ist, steht und fällt die ECHTE Reichweite durch Pins (also direkte Links) nicht mit den Followern oder Likes. In der Grafik (Searchmetrics/Internetworld)sieht man sogar sehr schön, dass die beiden Tabellenführer Apple und H&M nicht einmal selbst auf Pinterest vertreten sind und dennoch massiv Pins (Links) für sich verzeichnen können. Nutzen Sie bei Interesse Pinterest also ruhig zunächst passiv, in dem Sie einen Pinit-Button einbinden. So lässt sich gleichzeitig einfach herausfinden wie Pinterest-affin ihre Besucher sind.

Fazit

Wie so häufig im Social Media Marketing gilt auch im Falle Pinterest „Ausprobieren ist das Gebot der Stunde!“. Viele Zahlen aus Übersee und sehr individuelle Erfahrungsberichte (etsy/dawanda) lassen schnell den Eindruck von Pinterest als Erfolgsgaranten für viele Unternehmen erscheinen. Fakt ist: Pinterest hat durch seine starke Visualisierung und die einfache Generierung von direkten Shop- und Websitelinks grundsätzlich viel Potential. Ob und wie dieses Potential für das einzelne Unternehmen zu nutzen ist, muss durch eine strategische Eigenanalyse herausgefunden werden. Sicher ist Ihnen allemal noch der First-Mover-Bonus, denn durch die „Social Web Zeitverschiebung“ zwischen den USA und Deutschland befinden wir uns noch in einer frühen Adaptionsphase.


(Grafik: cocomore AG)

Haben Sie bereits eigene Erfahrungen mit Pinterest im Marketing gemacht?



(Grafiken von statista)

10 Gedanken zu „5 Irrtümer und Fakten zu Pinterest für Unternehmen in Deutschland

  1. Michael

    Spannend ist m.E. die Frage, warum das Geschlechterverhälterhältnis der Nutzer in Deutschland fast vollkommen umgedreht im Vergleich zu den USA ist – gibt es da eine einleuchtende Erklärung für? Denn DAS ist ein wirklich relevante Erkenntnis!

  2. Pingback: Online-Marketing-Linktipps #51/2012 von Michael van Laar

  3. Bernd

    Meiner Erfahrung nach kann man Pinterest sehr gut nutzen. Ich bin Affiliate Marketer und pinne sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch, wobei das letztere derzeit effektiver ist. Ich denke aber dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis weitere deutsche Unternehmen das Potenzial von Pinterest erkennen und für sich nutzen werden.
    Das ganze hat nicht nur einen Werbeeffekt, sondern wirkt sich auch positiv auf die jeweilige Webseite aus. Manche Webanalyse Tools beziehen z.B. schon mit ein, ob ein Pinboard vorhanden ist.

  4. Kleckerlabor Blog

    Ich bin it Pinterest eigentlich ganz zufrieden

    „Pinterest hat durch seine starke Visualisierung und die einfache Generierung von direkten Shop- und Websitelinks grundsätzlich viel Potential.“

    Meiner Erfahrung nach stimmt das, die virale wirkung von Pinns lässt sich allerdings optimieren und zwar durch Hashtags und das angeben von Preisen, kommentieren von Pins/Boards andere User und auch einen Danke für Likes und Repinns ist sehr effektiv

  5. Heike

    Ich selbst pinne nicht, da die rechtlichen Verhältnisse mir zu schwammig sind. Bin aber passive Nutzerin bzw. Ideenklauerin von so manch schönen Dingen, die man auf Pinteres sieht.

    Übrigens, was ich auf deinem Blog vermisst habe ist „Tout it out“: http://tinyurl.com/crjchtr
    Das ist in den USA der Renner und gehört doch sehr stark zu Social Media dazu. Oder habe ich da einen Artikel übersehen?

    Gruß, Heike

  6. Pingback: Social Media Auslese Januar 2013 | Online Marketing Agentur (Projecter GmbH)

  7. Tim Heckhausen

    Derzeit testen wir unter http://pinterest.com/sickde, ob sich ein Engagement auf Pinterest für uns als B2B-Unternehmen aus dem Bereich Sensortechnologie lohnt. Weniger relevant sind im ersten Schritt die Follower. Die Relevanz ergibt sich wenn plattformübergreifend, z.B. in Kombination mit Twitter und Produkten, im Umfeld von Fachmessenmessen gearbeitet wird.

    Grüße,
    Tim Heckhausen

  8. Tim Heckhausen

    Derzeit testen wir unter http://pinterest.com/sickde, ob sich ein Engagement auf Pinterest für uns als B2B-Unternehmen aus dem Bereich Sensortechnologie lohnt. Weniger relevant sind im ersten Schritt die Follower. Die Relevanz ergibt sich wenn plattformübergreifend, z.B. in Kombination mit Twitter und Produkten, im Umfeld von Fachmessen gearbeitet wird.

    Grüße,
    Tim Heckhausen

  9. Pingback: 5 Irrtümer und Fakten zu Pinterest

  10. Pingback: Social Media Trends Pinterest (Teil 2): Nutzer und Themen | text-gold.de

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