8007011214_7d81d19c46

Growth Hacker – Social Media Marketing auf Steroiden

Bodybuilder

Marketingziele gibt es viele, ob Markenbekanntheit oder Image-Verbesserung. Doch was ist, wenn das Budget knapp, der Customer-Lifetime-Value bei unter einem Euro liegt und der einzige KPI „mehr Nutzer“ heißt? Growth Hacker entwerfen neue schnörkellosen Marketing-Strategien –  viral, clever und zahlengetrieben.

Zynga erwirtschaftet einen durchschnittlichen Umsatz pro Nutzer von 0,40 Dollar pro Monat. Durch die niedrigen Einnahmen bleibt nicht viel Spiel für teure Kampagnen zur User-Gewinnung. Dennoch verfügt Zynga über 240 Millionen aktiven Spieler. Im Jahresabschluss 2011 heißt es in den Ausführungen zum Marketing, dass die Spieler vor allem über „unbezahlte Kanäle“ gewonnen würden.

Ein Beitrag aus dem eBook „App Marketing – Social Inside“ des App Marketing Unternehmen fluidmobile.

(Bildquelle: Female bodybuilder enthusiast)

„Unbezahlte Kanäle“ – der Traum jedes Growth Hackers

In den weiteren Ausführungen zum Marketing erklärt Zynga, dass ein großer Teil der Spieler-Community über „viral and sharing features“ von sozialen Netzwerken gewonnen wird. Was können andere Branchen von den Methoden der Spielehersteller lernen – allen voran die Anbieter von Software-Produkten, SaaS-Lösungen und Mobile Apps?

Neue Kunden ohne Werbeausgaben – der Traum jedes Marketing-Managers wird mit intelligenten Social Media Integrationen möglich. Growth Hacker sind für diese Art des Marketings verantwortlich und der Beruf breitet sich vom Silicon Valley aus und etabliert sich zunehmend in anderen Branchen.

„Growth Hacker konzentrieren sich darauf neue Marketingkanäle aufzuspüren und ausgewählte Kennzahlen durch eine schrittweise Veränderung (Iteration) des Kanals, der Botschaft oder des Segments zu bewegen.“

Um virales Wachstum ohne Ausgaben im Sinne von Media-Buying zu erreichen, setzen Growth Hacker auf die Schnittstellen der Superplattformen (Plattformen mit Millionen von aktiven Nutzern, z.B. Facebook, Google, Slideshare, Craigslist etc.). Durch die Integration von Social Media Funktionen und die Gestaltung viraler Inhalte, wird das Marketing in das Produkt eingebaut.

Growth Hacker kombinieren unterschiedliche Fähigkeiten: sie müssen große Datenmengen auswerten, Hypothesen bilden und testen können, technisches Verständnis mitbringen und durch Kreativität und Psychologie Menschen zum Teilen von Inhalten bewegen.

Growth Hacker Fälle aus der Praxis

Mädchflohmarkt – Mit Facebook-Connect zu 100k Fans in vier Wochen

Der eCommerce-Marktplatz Mädchenflohmarkt wurde im Juli gelauncht und hat heute über 160.000 Likes auf der Fanpage. Über 90.000 Nutzer verwenden die Facebook-App. Um die Webseite zu besuchen, müssen sich die Nutzer über Twitter oder Facebook einloggen. Twitter wird bei der Zielgruppe recht unbedeutend sein und deshalb sind es wohl vor allem die Shares über Facebook, die für das exponentielle Wachstum sorgten. Jedes neu eingestellte Produkt kann von seiner „Verkäuferin“ geteilt werden. So entsteht ein schneller „Viral Loop“, der immer neue Kunden anzieht.

Mädchenflohmarkt Facebook App

Jeder neue Nutzer der Plattform muss sich über Twitter oder Facebook einloggen.

Foursquare – Ego-Medaillen für die Facebook-Pinnwand

Wenn die Foursquare-Nutzer sich an einem Ort einchecken, können sie das über Facebook und Twitter ihren Freunden berichten. Darüber hinaus helfen Badges den Status des Users zu erhöhen. Wer teilt nicht gern das „Jet-Setter“-Badge dafür, dass er oft an unterschiedlichen Flughäfen eingecheckt hat? Badges funktionieren besonders gut, wenn sie dem Ego des Nutzers schmeicheln. Auch Spiele-Hersteller benutzen Badges als Auszeichnungen gerne. Die Verknüpfung von Produkt-Feature und Belohnung beeinflussen so das Verhalten der Nutzer.

Foursquare Badge

Wer besonders oft Mayor unterschiedlicher Orte wird, erhält das Super Mayor Badge – zum Sammeln und Teilen. (Bildquelle: cambodia4kidsorg)

 

Instagram – Die perfekte Landing-Page

Teilt man ein Bild über die Instagram App in seine Social Media Netzwerke, dann wird der Link zum Instagram-Bild ebenso verbreitet. Klickt ein Freund auf diesen Link, landet er auf der Seite mit dem Bild.  Hier angekommen hat der Besucher nur eine sehr begrenzte Anzahl von Optionen – mit einem Ziel: Die Instagram App herunter zu laden.

Instagram Facebook APIDer Social Proof wird durch die Anzahl meiner Freunde, die die App nutzen und die Sterne-Bewertung vermittelt.

Neben der Auswahl der Kanäle müssen Growth Hacker die Botschaften an die Nutzer testen, insbesondere USP und Reason Why.  Bei Instagram zieht sich der USP über alle Kanäle und begegnet den Nutzer auch auf der Landing-Page: „Es ist ein schneller, schöner und lustiger Weg, Deine Freunde durch Bilder an Deinem Leben teilhaben zu lassen.“

Auf der Landing-Page wurde der Reason Why deutlich und in einfachen Worten herausgestellt. Kundeninterviews und Focus-Gruppen helfen mittels qualitativer Informationen die Seiten zu verbessern.

instagram landing page

Flipboard – Share-Marketing

Wenn Leser Artikel von Flipboard über Twitter oder Facebook teilen, dann findet sich in dem jeweiligen Social Network ein Verweis auf die App und selbst der Link-Shortener ist von Flipboard, jeder Share wird so eine Einladung an andere Nutzer, das Produkt herunter zu laden.

flipboard share facebook

Dropbox – So nutzen Sie den IKEA-Effekt

Wer Freunde zu Dropbox einlädt, bekommt für jede Neuanmeldung 500 MB Speicher hinzu. Die ersten Schritte bei Dropbox werden zudem begleitet und belohnt. Wer sich zum ersten Mal anmeldet und einige einfache Todos abarbeitet, erhält 250 MB Speicher.

Mit der „Ersten Schritte“ Maßnahme gelingt Dropbox die Bindung an den Neukunden. Denn die „Arbeit mit dem Produkt“ gleich zu Beginn ist entscheidend für die zukünftige Nutzung des Produkts.

Das Phänomen wird IKEA-Effekt genannt und wurde in einer Harvard-Studie untersucht. Demnach reicht die Arbeit, die ein Kunde in ein Produkt gesteckt hat, um den Wert des Produkts höher zu erachten und sorgt so für eine stärkere Bindung an das Produkt. Der User geht also eine Bindung ein, wenn er die ersten Schritte ausführt. Ein positives Erlebnis am Ende, runden die Maßnahme ab: die abgehakte Todo-Liste und ein Geschenk über 250 MB. So steht einem erneuten Besuch, nichts im Wege und die „Retention“ ist geschafft.

 Dropbox First User Experience

 Das Design unterstützt das positive Erlebnis mit dem Service.

Dropbox Incentiviertes Share

Das Teilen und Einladen wird von Dropbox großzügig belohnt. So steigt die virale Verbreitung und die Kosten pro neuen Nutzer sinken.

Social Media Marketing ist ein integraler Bestandteil des Produkts

Insbesondere das App Marketing zeigt einen deutlichen Trend auf: virale Effekte werden zum integralen Bestandteil des Produkts. Nur wenn die Marketing-Mechaniken zum Nutzerwachstum schon bei der Entwicklung berücksichtig werden, hängt der Erfolg des Produkts nicht allein vom Werbebudget oder der Kampagnenkreativität ab.

  • Welche Growth Hacks haben Sie beobachtet?
  • Was halten Sie vom neuen Buzzword „Growth Hacker“?
Dieser Beitrag wurde am von in Marketing, Social Commerce, Strategie veröffentlicht. Schlagworte: .

Über Albert Pusch

Albert Pusch ist Inbound Marketing Berater und hilft Technologie-Unternehmen bei der Online Lead-Generierung. Er ist Mitgründer von Socialmedia-blog.de und Autor zahlreicher Fachbeiträge auf den führenden Blogs zu Technologie und Marketing. Salesforce.com zählte ihn 2012 zu den Top5 Social Media Influencern in Europa. Bis 2012 verantwortete die Marketing-Abteilung eines Technologie-Unternehmens im eCommerce mit drei Geschäftseinheiten in neun Ländern. Er studierte Marketing-Kommunikation an der Hochschule Pforzheim und in Yogyakarta (Indonesien). Albert Pusch ist Diplom-Betriebswirt (FH) und zertifizierter PR-Referent. Google+

8 Gedanken zu „Growth Hacker – Social Media Marketing auf Steroiden

  1. Pingback: Virales App Marketing - Mit Social Media zur App Discovery

  2. Alex

    Gut geschrieben. Die Mission neue Fans zu gewinnen, ist eigentlich einfach: Dem Nutzer einen guten Grund oder etwas, was er unbedingt haben will geben und dadurch einen Multiplikationseffekt für seine Präsenz bekommen. Die Beispiele zeigen wie es geht. Unternehmen auf Facebook die Meldungen wie „heute ist ein sonniger Tag“ veröffentlichen, zeigen zu oft, wie es nicht geht.

  3. Stefan

    Schöner Artikel, der Menschen anspricht, die in genau meiner Situation stecken. Mal sehen, ob ich mir davon was abgucken kann!

  4. Geraldine

    Ein toller Beitrag. Leider kann man viele der Strategien in datensensitiven Geschäftsfeldern nicht einsetzen. Für viele Branchen sind die Tipps aber dennoch top.

  5. Felix

    Wenn man in so großen Schritten denkt ist es natürlich sehr sehr einfach (Budget vorausgesetzt) so viele neue Fans zu erreichen und an seinen eigenen Dienst zu festigen. Viele Nutzer die hier allerdings lesen und gerade erst einsteigen möchten haben dennoch viele Fragezeichen über dem Kopf. Meistens läuft es so ab:

    Man erstellt sich eine Facebook-Page für seine Webseite oder bindet den Like-Button ein.
    Und jetzt steht man da; Kein Traffic, keine Kunden, keine Verkäufe.

    Der Aufstieg gelingt den genannten Plattformen ja nur weil bereits eine gewisse Nutzerzahl vorhanden ist. Ohne jedoch kann die Kreativität der Seite noch so toll sein, eine Chance auf einen Einstieg hat diese nicht. Gerade bei Facebook jedoch gibt es viele Möglichkeiten auf seinen Dienst aufmerksam zu machen: Likes kaufen
    So einfach es klingt ist es auch. Ich habs einfach mal selbst probiert ohne irgendeine Investition und es hat sogar geklappt. Ich habe 10 kostenlose Facebook Fans auf meine Seite senden lassen, jetzt habe ich 124. Das ganze lief über http://facebook-fans-kaufen.eu und war total einfach. Ich bin mal gespannt wie es weitergehen wird.

  6. Pingback: App Marketing | fluidmobile

  7. Rogelio

    You can find him on Twitter , on Snapchat as Martinsfp,
    subscribe to him on Facebook and visit his personal site He’s based in Manchester, UK and has a thing for
    quirky American music and Japanese video games.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>