Wie Brands Google+ nutzen & auf was Unternehmen dabei achten sollten


Seit dem 07.11. gibt es Seiten für Unternehmen auf Google+. Natürlich gab es Kritik an den zum Start zur Verfügung stehenden Optionen: Keine Werbung, keine Möglichkeiten der Erweiterung (Apps) & Gewinnspiele sind auch nicht erlaubt. Die Unternehmensseiten in Google+ erinnern in der jetzigen Form stark an Facebook – zumindest wenn man ein gutes Gedächtnis hat und sich erinnert wie Facebook vor einer gefühlten Ewigkeit war.

Andererseits wird auch viel über die SEO-Vorteile von Google+ berichtet. Wie können Unternehmen die Plattform und die knappen Möglichkeiten also nutzen? Rückschlüsse darauf liefern die Bemühungen oder Nicht-Bemühungen der Brands, die in den letzten Jahren (gemessen an den Fan-Zahlen) am erfolgreichsten auf Facebook agierten: Cocal-Cola, Disney, MTV, Starbucks, Playstation, Oreo, RedBull, Converse, Pringles & YouTube.

1. Das Anlegen der Seite

Von den zehn Brands sind bereits jetzt alle in Google+ vertreten, nur für MTV findet sich noch kein Äquivalent zur englischsprachigen Facebook Page. Wer des Spanischen mächtig ist, wird aber bestens über die lateinamerikanische Poplandschaft informiert. Drei der Brands (Pringles, Oreo & Converse) haben sich auf das Anlegen der Site beschränkt, Beiträge sucht man (bisher) vergebens.

In Google+ lassen sich mehrere Seiten mit dem gleichen Namen anlegen, d.h. dass es (a) keinen stressigen Run auf die besten Namen gibt und es (b) manchmal reichlich unübersichtlich wird. Google verifiziert Seiten nach einer gewissen Zeit, auf Platz eins der Suchergebnisse gelangt man damit aber nicht automatisch. Unter Coca-Cola findet man bspw. sortiert nach der Zahl der Follower gleich mehrere Pages, die offizielle Variante lag hier auf Platz 4 – seit der Verifizierung durch Google am Mittwoch wird die Page trotz weniger Follower an Position 2 gelistet. Wie genau sich die Verifizierung auf das Ranking auswirkt, muss in den nächsten Wochen beobachtet werden.

2. Inhalte

Von den sechs Brands, die bereits Beiträge auf Google+ veröffentlichen, übernimmt nur einer seine Facebook-Beiträge 1:1, nämlich Starbucks. Disney, RedBull, Coca-Cola & Playstation präsentieren ähnliche Inhalte in beiden Netzwerken, YouTube veröffentlicht auf Google+ andere und wesentlich mehr Beiträge. Als Teil der Google-Familie, überrascht diese Strategie von YouTube aber nicht wirklich.

In Kommentaren zu ihren eigenen Postings werden die Brands nicht wirklich aktiv. Wenn sie es tun, dann zumeist mit den Worten, mit denen man im Social Media-Bereich auf scheinbar alles antworten kann: „THANK YOU!!“

3. Seitenbeschreibung

Google+ bietet Unternehmen unter dem Seitennamen Platz für „10 Wörter, die Ihre Seite am besten beschreiben“ – und wenn Google an prominenter Stelle Platz für Keyword-lastige Texte lässt, sind alle SEO Freunde natürlich begeistert. Dieser Raum wird entsprechend von allen 10 Brands genutzt – niemand platziert hier allerdings einfach eine Keyword-Auflistung, ein stimmiger Text sollte es schon sein. Starbucks, Oreo & Converse beschränken sich dabei allerdings nicht auf das genannte Worte-Limit. Converse hat ja bereits im Film I Robot bewiesen, dass man jeden zur Verfügung stehenden Platz gnadenlos nutzt, entsprechend umfasst deren Seitenbeschreibung gewaltige 43 Worte. Kurz & schön hält es dagegen Coca-Cola: „Open Happiness. The official Coca-Cola page on Google+.”

4. Fotowand

Google+ bietet auf der sogenannten Fotowand (so wird der Platz zwischen Seitenname & Pinnwand genannt) Platz für fünf ausgewählte Fotos. Hier hat man sich natürlich stark von Facebook bedient inspirieren lassen, wobei das System etwas durchdachter ist. Die fünf Abbildungen sind nicht einfach die fünf neuesten hochgeladenen Bilder, sondern werden separat dort platziert. Außerdem verzichtet Google darauf die fünf Fotos immer wieder zu rotieren. Dass Unternehmen gerne mit den sich daraus ergebenen Möglichkeiten spielen, beweisen Coca-Cola, Red Bull & YouTube – im Falle von Coca-Cola sind die fünf Fotos sogar mit dem Logo grafisch verbunden. Die einzigen Brands, welche die Fotowand noch nicht nutzen, sind Oreo, Pringles & Converse.

5. Über mich

Hier handhaben es alle 10 Unternehmen gleich: Ein kurzer Infotext zum Unternehmen und dazu ein Link zur Webseite. Die Infotexte wurden teilweise 1:1 aus Facebook übernommen – dagegen spricht auch nicht wirklich etwas. Neben dem Link zur Webseite verlinken bspw. Playstation & RedBull zu weiteren Social Media-Präsenzen, YouTube verzichtet darauf natürlich und linkt direkt zu verschiedenen Video-Kanälen.

Wie deutsche Unternehmen der Impressumspflicht in Google+ nachkommen können, erschließt sich mir nicht wirklich. Vorerst muss man dazu wohl den Über mich-Bereich nutzen.

6. Link auf eigener Website?

7. Kreise

Unternehmen haben die Möglichkeit Personen oder andere Seiten in ihre Kreise aufzunehmen. Eine Möglichkeit, die bisher nur von Starbucks & Playstation genutzt wird.

Der berühmteste Kaffeebrauer der Welt hat 60 Personen/Pages in seinen Kreisen. Wer Menschen wie Kelley Myers oder Stephen Dolenski sind? Keine Ahnung. Anders nutzt Playstation den Bereich: Verlinkt sind die Seite von IGN und verschiedenen Spiele-Herstellern. Der Bereich übernimmt damit die Funktion der „Sites I Like“ in Facebook und bietet einen gewissen Mehrwert.

Learnings für Unternehmen

Bevor lange über die Strategie beraten wird, sollten Unternehmen einfach eine Google+ Seite anmelden (für alle, die ihn noch nicht haben, hier der Link). Ein paar Dinge gilt es zu beachten:

  • Das Anlegen der Seite sollte jemand übernehmen, der nicht in den nächsten Wochen das Unternehmen wechselt, da die Admin-Rechte automatisch beim Seitenersteller liegen und dieser die Rechte auch nicht übertragen kann. Die Multi-Admin-Verwaltung ist erst für das erste Quartal 2012 angekündigt – und wir haben bei den Unternehmensseiten ja gesehen, dass solche Termine auch gerne verschoben werden. Falls mehrere Personen Admin-Rechte für die Seite haben sollen, eignet sich dafür momentan nur ein gemeinsamer Fake-Account, über den die Seite angelegt wird. Um Problemen vorzubeugen sollte dieser nicht als Fake-Account erkennbar sein.
  • Die Fotowand sollte gleich mit fünf Fotos bestückt werden, dadurch bekommt die Seite einen offizielleren Charakter. Die Fotos sollten sich nicht so stark voneinander unterscheiden, einfach um einen harmonischeren Gesamteindruck zu erzeugen. Wer eine Idee hat wie er die Fotowand mit einem durchgängigen Motiv und/oder CI konform ausstatten kann, sollte das auf jeden Fall machen.
  • Zehn Worte, die die Seite beschreiben, sollten auch wirklich nur zehn Worte sein. Das sieht (a) schöner aus und (b) hat eh keiner Lust mehr zu lesen. Ein kurzer prägnanter Text oder einfach nur der Firmenslogan. Vielleicht anfänglich sogar die Info, dass es sich um den offiziellen Google+ Auftritt des Unternehmens handelt, insofern es viele inoffizielle Fan-Pages gibt.
  • Zu den eigentlichen Beiträgen: Da kann man sich ruhig zurückhalten, gerade wenn man schon kaum genug Input für Facebook generiert. Ein kurzes Begrüßungsposting (Starbucks schreibt bspw. „Hello! Welcome to the Starbucks page on Google+ … We’re excited to start talking about coffee+ other things with you here!”), dann Inhalte aus Facebook verwerten. Bei allen Copy-Paste-Aktionen aber gesunden Menschenverstand walten lassen: Ein Unternehmen verwies in einem Google+ Beitrag auf eine App, die es hier natürlich nicht gab – in Facebook hatte das Posting mehr Sinn ergeben. Zum Glück lassen sich in Google+ Beiträge auch nachträglich noch bearbeiten…..
  • Gerade wenn man einen starken Facebook-Auftritt hat, muss man den Google+ Auftritt anfänglich nicht groß kommunizieren. Momentan bieten sich Unternehmen im Vergleich zu Facebook zu wenige Möglichkeiten. Hauptsache man ist dort vertreten, wird gefunden und profitiert von den SEO-Vorteilen.

7 Gedanken zu „Wie Brands Google+ nutzen & auf was Unternehmen dabei achten sollten

  1. social media

    Oh vielen Dank für die guten Tipps, ich werde mich demnächst wohl auch mal mit Google+ aus einander setzen müssen. Da hilft der Artikel sehr weiter.

  2. Mario Burgard

    Ich bin zwar mit einem Google+ Account dabei, aber bislang kam ich noch gar nicht dazu mich mit den Goolge+ Seiten für Unternehmen zu beschäftigen.

    Das Problem an der Sache ist aber auch, dass es scheinbar nicht wirklich präsent ist. Ich will damit sagen, dass Facebook in aller Munde ist, aber über Google+ immer noch nur in Fachkreisen gesprochen wird.

    Grundsätzlich bin ich sehr gespannt auf die Entwicklung dieser Plattform. Aber ob Goolge+ wirklich den massiven Vorsprung von Facebook aufholen kann.

    Auch wenn wir hier von Google reden, DEM Online-Unternehmen…

  3. Daniel

    Die Fotowände werden meiner Meinung nach viel zu sehr zum falschen Zweck genutzt, siehe zum Beispiel Coca Cola oder X andere Pages.

    Die ewig anhaltende Sache mit dem Impressum kann ich auch nicht ganz nachvollziehen. Wenn man als seine eigene Webseite eine Seite mit Impressum einträgt, sollte das doch für den Hausverstand reichen.

  4. Pingback: Wie Brands Google+ nutzen & auf was Unternehmen dabei achten sollten | Wirtschaft | Scoop.it

  5. Pingback: Social Media Auslese Dezember 2011 | Online Marketing Agentur (Projecter GmbH)

  6. Felix Barth

    Ich stimme Ihren abschließend angeführten Lernings in keinster Weise zu!
    „Bevor lange über die Strategie beraten wird, sollten Unternehmen einfach eine Google+ Seite anmelden“
    Bei dieser Aussage rollen sich mir als Kommunikationsberater offen gestanden die Fußnägel hoch! Gerade weil G+ bisher deutliche weniger Möglichkeiten bietet als Facebook und gerade weil die Namen von Brands mehrfach vergeben werden können und keine Eile geboten ist, sollte man ein Engagement auf G+ zuvor gründlich durchdenken. Denn von den SEO-Vorteilen profitiert man nur, wenn man regelmäßig gute und relavente Inhalte liefert, die soziale Signale in Form von +1, Shares und Kommentaren erzeugen. Zurückhaltung ist hier also der exakt falsche weg. Zugleich ist die Leserschaft im Gegensatz zur Mainstream-Plattform Facebook aufgrund ihrer viel stärkeren fachlichen Ausrichtung wesentlich anspruchsvoller. Bespaßung und buntes Marketing, funktionieren bei G+ einfach nicht analog zu Facebook.
    „Gerade wenn man einen starken Facebook-Auftritt hat, muss man den Google+ Auftritt anfänglich nicht groß kommunizieren.“
    Diese Aussage bestätigt zudem, dass wie so viele auch Sie den eklatanten Fehler begehen, G+ mit Facebook zu vergleichen, bloß weil die Nutzeroberfläche nahezu identisch ist.

  7. Daniel Hoffmann

    Vielen Dank für das Feedback! Aber offen gefragt: Haben sie denn den Text zu Ende gelesen? 😉 Hier folgen ja einige Einschränkungen bzw. „Leitplanken“ zum Thema „einfach mal ausprobieren“.
    Ehrlich gesagt klingt da etwas der typische Kommunikationsberater an: „Erst einmal viel Zeit und Geld in Überlegungen, Abstimmungen und Strategien stecken bevor es eigentlich los geht – wenn überhaupt!“

    Wir sind er Meinung das im Social Web Aktionismus und Pioniergeist belohnt wird. Natürlich muss der gesunde Menschenverstand dabei mitschwingen und Leute die Ahnung von der Materie haben am Werk sein (aber das steht im Text).
    Absolut Recht gebe ich Ihnen im Punkt „Content-Vergleich bei Facebook und Google+“! Hier spricht man bei G+ sicher mit einer anspruchsvolleren Zielgruppe und sollte – gerade im Punkto SEO – hochwertige und relevante Beiträge liefern. Dies sollte in meinen Augen jedoch auch auf Facebook der Fall sein, auch wenn viele Unternehmen dies nicht beherzigen und permanent nach dem Wetter oder der letzten Wochenendbeschäftigung fragen. Letztlich kommt hier aber wieder der Punkt des gesunden Menschenverstandes und den Social Media affinen Verantwortlichen zum tragen, denn hier sollten diese Gedanken mitschwingen.

    Wir stehen nach wie vor dazu und möchten Unternehmen ermutigen mit passenden Mitarbeitern (oder Agenturen) den Schritt zu wagen und Google+ für sich zu testen. Die meisten Unternehmen bekommen nicht wie Coca Cola & Co am ersten Tag „die Tür eingerannt“, so dass meinst genügend Zeit bleibt zu testen welche Beiträge ankommen, zuzuhören was sich Interessenten wünschen oder zu schauen welche Inhalte und Kollegen sich im Unternehmen für Google+ eigenen. Daher sind wir auch der Meinung, dass diese Phase des Ausprobierens nicht übermäßig kommuniziert werden muss.

    Ist der Weg geebnet und und das Unternehmen „fühlt sich gut“ mit seinem Social Web Präsenz, so können dann langfristige Strategien und Konzepte in Angriff genommen sowie der Buzz erhöht werden.

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