Deutsche Unternehmen haben sich bisher schwer getan das Thema Social Media tiefer gehend zu Erforschen und für sich zu entdecken. Zu groß waren die Ungewissheiten und zu gering das Verständnis für die neue Materie. Trotzdem gab es auch in Deutschland immer wieder Pioniere die mit ersten Ideen und Konzepten voran gingen. Einige scheiterten, andere meldeten große Erfolge. Warum die Einen scheiterten war meist schnell erklärt: Man verstand die Social Web Mechanismen nicht ausreichend, die Community war unberechenbar und Geld konnte man damit auch nicht verdienen. Gründe genug für viele heimische Unternehmen sich zurück zu halten. Leider konnten daran auch die sich häufenden Erfolgstorries nicht viel ändern. Oft waren es kreative Meisterstreiche die sich nicht einfach reproduzieren ließen oder es fehlte die klare strategische und monetäre Komponente. Doch das soll sich nun ändern.

“Das Jahr 2010 wird das Jahr des Social Commerce – der Verbindung von Social Media und E-Commerce”. So eröffnete Andreas Berens (Managing Director der Syzygy Deutschland GmbH) das Informations-Event zur hauseigenen Studie “Social Commerce – Monetizing Social Media” am vergangenen Donnerstag an der Uni Frankfurt am Main. In Zusammenarbeit mit Dr. Paul Marsden (Sozial-Psychologe und langjähriger Online-Marketing-Experte) stellte man sich der Herausforderung ein Whitepaper zu entwickeln, welches die Lücken zwischen (scheinbar) spielerischem Social Media und profitablem E-Commerce schließen sollte. Dabei werden die Kernfragen geklärt wie Social Web Mechanismen funktionieren, wo strategische Ansatzpunkte zu finden sind und wie Marken und Handel schließlich mit dem Einsatz von Social Media Geld verdienen können.
Neben Dr. Paul Marsden, der mit einer Zusammenfassung der Studie die Veranstaltung eröffnete, stellten außerdem Ruppert Bodmeier (Manager für Social Media und Innovationen bei yalook.com) und F. Scott Woods (Commercial Director Facebook Germany) spannende Beispiele und Erkenntnisse aus der Praxis vor.
Hier in der Zusammenfassung die wichtigsten Insights des Events:

Nicht nur die imposante Erscheinung des Sozialpsychologen Dr. Paul Marsden beeindruckte in der knapp 60 minütigen Einführung in das Thema Social Commerce, vor allem die psychologische Sicht auf das Lern- und Kaufverhalten der Menschen und die Verknüpfung zu Social Media Tools beim E-Shopping brachten spannende Erkenntnisse. Dazu stellte Paul Marsden zunächst sechs sozialpsychologische Heuristiken vor und zeigte wie und welche Social Commerce Tools das heuristische Denken beim Kauf stimulieren.
1. Popularität – “Folge den Massen”
Wir folgen im Zweifel dem was besonders beliebt bzw. verbreitet ist. Was viele als gut oder richtig ansehen, stufen wir persönlich ebenfalls positiver ein.
Social Commerce Anwendungen: Ratings & Reviews, Recommendations & Referrals
2. Autorität – “Folge der Autorität”
Wir richten uns meist nach den Erkenntnissen und Meinungen von Fachleuten und Meinungsführern bzw. Menschen die bereits Erfahrungen mit Produkten oder Problemstellungen gemacht haben.
Social Commerce Anwendung: Ratings & Reviews, Empfehlungen & Referrals, Foren & Communities
3. Knappheit – “Was selten ist, muss gut sein”
Wir schreiben seltenen Dingen einen hören Wert zu. Knappe oder exklusive Güter sind generell verlockend.
Social Commerce Anwendung: Social Media Optimierung (exklusive Informationen / Angebote), Social Shopping, Empfehlungen und Referrals
4. Affinität – “Folge denen, die du magst”
Wir haben die Neigung Menschen die uns ähnlich sind nachzuahmen oder gleichen Interessengruppen zu folgen.
Social Commerce Anwendung: Social Shopping, Empfehlungen & Referrals, Foren und Communities, Social Media Optimierung (Produktempfehlungen an die eigenen Community ermöglichen etc.)
5. Konsistenz – “Sei konsistent”
Bei Ungewissem entscheiden wir instinktiv nach vergangenen Erfahrungen und versuchen durch konsistentes Verhalten das Ungewisse zu entschärfen.
Social Commerce Anwendung: Social Shopping (“Frage dein Netzwerk”, Co-Browsing etc.), Empfehlungen & Referrals, Ratings & Reviews, Foren & Communities
6. Gegenseitigkeit – “Erwidern Sie Gefälligkeiten”
Wir haben die angeborene Neigung Gefälligkeiten zu erwidern. Es ist ein Grundbedürfnis bei der Bildung von Beziehungen und Gemeinschaft.
Social Commerce Anwendung: Social Media Optimierung (Angebote und Empfehlungen an Freunde), Social Shopping (Angebote Teile und gemeinsam wahrnehmen), Empfehlungen & Referrals, Foren & Communities
Zum Abschluss der Präsentation stellte Paul Marsden eine kurze und eingängige Strategie für den Einstieg in Social Media und Commerce vor – Die LEAD Strategie. Für unsere Leser im Grunde nichts neues, jedoch kurz und prägnant formuliert:
L – Listen
E – Experiment
A – Apply
D – Develop
Zu den beiden weiteren Referenten möchte ich mich abschließend kurz halten, da es primär um die praktische Anwendung von Social Media ging. Den Großteil der Erkenntnisse und Anwendungsbereiche haben wir bereits im Blog näher vorgestellt und/oder diskutiert.
Ruppert Bodmeier von yalook.com zeigte wie die Mischung aus Style-Portal und Mode-Shop heute erfolgreich Social Media in ihren Onlineauftritt integriert. Es herrscht reger Austausch mit der Community über Blog, Twitter und Facebook. Es wurde schnell deutlich, dass hier die Hausaufgaben gemacht wurden und über eine gute Mischung von Zuhören in der Community und Blogger Relations ein beinahe freundschaftliches Verhältnis zu den Usern und Kunden aufgebaut wurde.
Den Schluss der Vortragsreihe machte schließlich Scott Woods von Facebook Deutschland und führte die noch sichtlich Social-Media-unerfahrenen Zuhörer in die große Welt von Facebook ein. Der Fokus lag natürlich ganz im Sinne von Social Commerce in den Möglichkeiten die Facebook für Unternehmen bietet. Die Vorgestellten Tools und Möglichkeiten finden Sie unter facebook.com/advertising
Fazit
Es bedarf nur wenig Fantasie um sich die künftige Entwicklung von Social Media und E-Commerce vorzustellen. Social Media wird kommerzieller werden und E-Commerce auf der anderen Seite “sozialer”. Social Commerce beschreibt die Schnittmenge in der beide Seite durch die Stärken des Andrren profitieren werden. Es gilt nun diese Schnittmenge zu definieren und in ihr zu experimentieren. Dabei steht das Experimentieren im Vordergrund, denn beide Bereiche bieten eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten deren Nutzen und Kombinationen es individuell zu erforschen gilt. Auf der einen Seite werden viele klassische Social Media Tools Einzug in den E-Commerce finden, auf der anderen Seite aber auch ganz neue Synergien entstehen und neue Möglichkeiten entdeckt werden.
Letztlich wird auch das Thema “ROI on Social Media” neuen Aufwind erleben, da die strategische Verknüpfung hin zum Social Commerce unweigerlich die monetären Aspekte in den Vordergrund rückt. Es wird von entscheidender Bedeutung sein gute Antworten auf diese Fragen zu finden und Argumente zu liefern Social Commerce als ernst zu nehmende Disziplin in Marketing, Personal, Vertrieb und Entwicklung zu etablieren.
Das Whitepaper “Social Commerce – Monetizing Social Media” ist in deutscher und englischer Sprache im Facebook-Shop der Syzygy Group als PDF Download erhältlich.
Viele weiterführende Artikel, Beispiele und Anregungen von Paul Marsden zum Thema finden Sie auf SocialCommerceToday.com in englischer Sprache.