Archive - März, 2010

Social Media im Arbeitsprozess

Die Twitter-Wall wird alle paar Sekunden aktualisiert und berichtet über die Meinung der anderen Zuschauer des Livestreams, den ich mir gerade ansehe. Ich checke meine Mails und schaue, was auf Facebook passiert ist. Nachdem ich noch schnell einen Tweet zum Stream rausgehauen habe, klingelt mein Handy… Krank? Vielleicht.

Wer recherchiert oder kreativ nach einer neuen Idee sucht, der wird die betriebsame Stimmung auf den Kanälen, auf denen wir uns tummeln als inspirierend empfinden. Und sicher wird sich unsere Aufnahmefähigkeit an die etlichen Info-Chunks gewöhnen. Fax, Handy E-Mail-Account und Telefon haben seit vielen Jahren unsere Multitasking-Fähigkeiten im Büro herausgefordert – Social Media setzt da nochmal einen drauf.

Die mächtigste Waffen für all jene, die etwas managen müssen, Strategien entwickeln und führen, ist aber immer noch ein leeres Blatt Papier und ein klarer Kopf. Gerade in den Führungsetagen vieler Online-Unternehmen, sollte Social Media auch mal ausgeschaltet werden. Getreu dem Motto: “Lead!- Don’t tweet.”

Online-Film wird wichtiger – spotlight Werbefilmfestival in Mannheim


spotlight Werbefilmfestival setzt ein Zeichen: Die Kategorie „web&mobile“ wird bedeutender und die Filmemacher, Agenturen und Kunden müssen noch mehr wagen.

Peter Frey, Albert Pusch, Daniel Hoffmann, Thomas Falkenstein (v.l.n.r.).
Die beiden Veranstalter des spotlight Festivals (außen) und das Team von Socialmedia-Blog.de (Mitte).

Gestern Abend wurden im Mannheimer Rosengarten die Spotlight Awards vergeben. Neben den Fachjury-Awards wurden auch die Publikumspreise verliehen. Zur feierlichen Preisverleihung erschienen über zweitausend Gäste, die gemeinsam über die besten deutschen und internationalen Werbefilme abstimmten. Moderiert wurde das 13. internationale Werbefilmfestival von Medienschreck Oliver Kalkofe.

Die Hochschule Pforzheim ist Partner des Spotlight Festivals und übergab auch in diesem Jahr den VISION Award, der von der Wissenschaftsjury der Hochschule gewählt wurden. Gemeinsam mit unseren Kommilitonen saßen Daniel und ich in der Jury. In diesem Jahr vergab die Jury gleich zweimal den VISION Award, einmal an Alexander Lehmann („Du bist Terrorist“) und an Serviceplan München („Blitz“ für BMW).

Für uns hat sich bewiesen, dass die Kategorie „web&mobile“ immer bedeutender wird, weil sich die Filme von selbst verbreiten und die typischen Social Media Kanäle verwenden. Dafür braucht es keine Millionen-Budgets, sondern Kreativität und Mut. Die erfolgreichsten Spots im Web sind auch die, die im Fernsehen am besten beim Zuschauer ankommen, entweder sehr lustig oder tief bewegend. Die Fachjury vergab in der Kategorie „web&mobile“ (Hauptwettbewerb der Pros) nur einen einzigen Bronze-Preis, weil es die restlichen der eingereichten Spots für zu schwach hielt und mehr erwartet hätte. Wir glauben, dass es weniger an der mangelnden Kreativität der Agenturen liegt, als vielmehr an ängstlichen Kunden. Mehr Mut für Neues ist gefragt, vor allem im Web. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es durchaus gute Spots bei web&mobile gab, die man hätte auszeichnen können.

„Du bist Terrorist“ räumt beim spotlight Werbefilmfestival ab

Für Alexander Lehmann war dies eine sehr erfolgreiche Woche, nicht nur, dass das Bundesverfassungsgericht das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung kippte, er gewann auch gleich drei Preise für seinen Film „Du bist Terrorist“ beim diesjährigen Spotlight Werbefilmfestival in Mannheim.

Als Alexander Lehmann den Film veröffentlichte, bekam er zunächst einmal Abmahnschreiben. Er selbst musste den Film wieder aus YouTube entfernen und dennoch war die Verbreitung nicht mehr aufzuhalten. Via Facebook und Twitter verbreitete sich der Spot millionenfach und sogar Fernsehsender strahlten ihn im redaktionellen Teil ihrer Programme aus.

Doch was macht „Du bist Terrorist“ so erfolgreich?
Der Spot zeichnet sich durch seine sachliche Art aus, er zerlegt das komplexe System der Vorratsdatenspeicherung in leicht verständliche Sequenzen. In zwei Minuten schafft es Alexander Lehmann, das Interesse der Bürger für das Thema Datenschutz zu wecken und mit seiner klaren, provokanten Botschaft, erreicht er die Zielgruppe.

Gute Werbung darf auch in Zukunft anecken und Staub aufwirbeln. Deshalb freuen wir uns, dass Alexander Lehmann einen der beiden VISION Awards erhalten hat.

Der Abend im Rosengarten war durch die vielen Programmpunkte abwechslungsreich und unterhaltsam. Vor der Eröffnung wurden zunächst die Fachjury-Awards vergeben. Bei Sekt und Canapés wurden die Sieger geehrt und die prominenten Gäste des Abends begrüßt. Helmut Zerlett, Oliver Kalkofe und Max Mutzke sorgten für das Unterhaltungsprogramm. Schließlich füllten sich die Ränge im Mozartsaal und das Publikum bekam eine Stunde lang, Werbefilme gezeigt, über die es dann abstimmen durfte. Nach der Verleihung der Preise klang der Abend auf der Aftershow-Party bei Musik von Helmut Zerlett und Max Mutzke aus.

PS: An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Professorinnen und Mitarbeiterinnen der Hochschule Pforzheim aus dem Studiengang Werbung, dafür, dass wir dabei sein durften und dafür, dass Sie uns solche Erlebnisse möglich machen!

Social Commerce – Die strategische Verbindung von E-Commerce und Social Media

Deutsche Unternehmen haben sich bisher schwer getan das Thema Social Media tiefer gehend zu Erforschen und für sich zu entdecken. Zu groß waren die Ungewissheiten und zu gering das Verständnis für die neue Materie. Trotzdem gab es auch in Deutschland immer wieder Pioniere die mit ersten Ideen und Konzepten voran gingen. Einige scheiterten, andere meldeten große Erfolge. Warum die Einen scheiterten war meist schnell erklärt: Man verstand die Social Web Mechanismen nicht ausreichend, die Community war unberechenbar und Geld konnte man damit auch nicht verdienen. Gründe genug für viele heimische Unternehmen sich zurück zu halten. Leider konnten daran auch die sich häufenden Erfolgstorries nicht viel ändern. Oft waren es kreative Meisterstreiche die sich nicht einfach reproduzieren ließen oder es fehlte die klare strategische und monetäre Komponente. Doch das soll sich nun ändern.

“Das Jahr 2010 wird das Jahr des Social Commerce – der Verbindung von Social Media und E-Commerce”. So eröffnete Andreas Berens (Managing Director der Syzygy Deutschland GmbH) das Informations-Event zur hauseigenen Studie “Social Commerce – Monetizing Social Media” am vergangenen Donnerstag an der Uni Frankfurt am Main. In Zusammenarbeit mit Dr. Paul Marsden (Sozial-Psychologe und langjähriger Online-Marketing-Experte) stellte man sich der Herausforderung ein Whitepaper zu entwickeln, welches die Lücken zwischen (scheinbar) spielerischem Social Media und profitablem E-Commerce schließen sollte. Dabei werden die Kernfragen geklärt wie Social Web Mechanismen funktionieren, wo strategische Ansatzpunkte zu finden sind und wie Marken und Handel schließlich mit dem Einsatz von Social Media Geld verdienen können.
Neben Dr. Paul Marsden, der mit einer Zusammenfassung der Studie die Veranstaltung eröffnete, stellten außerdem Ruppert Bodmeier (Manager für Social Media und Innovationen bei yalook.com) und F. Scott Woods (Commercial Director Facebook Germany) spannende Beispiele und Erkenntnisse aus der Praxis vor.

Hier in der Zusammenfassung die wichtigsten Insights des Events:

Nicht nur die imposante Erscheinung des Sozialpsychologen Dr. Paul Marsden beeindruckte in der knapp 60 minütigen Einführung in das Thema Social Commerce, vor allem die psychologische Sicht auf das Lern- und Kaufverhalten der Menschen und die Verknüpfung zu Social Media Tools beim E-Shopping brachten spannende Erkenntnisse. Dazu stellte Paul Marsden zunächst sechs sozialpsychologische Heuristiken vor und zeigte wie und welche Social Commerce Tools das heuristische Denken beim Kauf stimulieren.

1. Popularität – “Folge den Massen”
Wir folgen im Zweifel dem was besonders beliebt bzw. verbreitet ist. Was viele als gut oder richtig ansehen, stufen wir persönlich ebenfalls positiver ein.
Social Commerce Anwendungen: Ratings & Reviews, Recommendations & Referrals
2. Autorität – “Folge der Autorität”
Wir richten uns meist nach den Erkenntnissen und Meinungen von Fachleuten und Meinungsführern bzw. Menschen die bereits Erfahrungen mit Produkten oder Problemstellungen gemacht haben.
Social Commerce Anwendung: Ratings & Reviews, Empfehlungen & Referrals, Foren & Communities
3. Knappheit – “Was selten ist, muss gut sein”
Wir schreiben seltenen Dingen einen hören Wert zu. Knappe oder exklusive Güter sind generell verlockend.
Social Commerce Anwendung: Social Media Optimierung (exklusive Informationen / Angebote), Social Shopping, Empfehlungen und Referrals
4. Affinität – “Folge denen, die du magst”
Wir haben die Neigung Menschen die uns ähnlich sind nachzuahmen oder gleichen Interessengruppen zu folgen.
Social Commerce Anwendung: Social Shopping, Empfehlungen & Referrals, Foren und Communities, Social Media Optimierung (Produktempfehlungen an die eigenen Community ermöglichen etc.)
5. Konsistenz – “Sei konsistent”
Bei Ungewissem entscheiden wir instinktiv nach vergangenen Erfahrungen und versuchen durch konsistentes Verhalten das Ungewisse zu entschärfen.
Social Commerce Anwendung: Social Shopping (“Frage dein Netzwerk”, Co-Browsing etc.), Empfehlungen & Referrals, Ratings & Reviews, Foren & Communities
6. Gegenseitigkeit – “Erwidern Sie Gefälligkeiten”
Wir haben die angeborene Neigung Gefälligkeiten zu erwidern. Es ist ein Grundbedürfnis bei der Bildung von Beziehungen und Gemeinschaft.
Social Commerce Anwendung: Social Media Optimierung (Angebote und Empfehlungen an Freunde), Social Shopping (Angebote Teile und gemeinsam wahrnehmen), Empfehlungen & Referrals, Foren & Communities

Zum Abschluss der Präsentation stellte Paul Marsden eine kurze und eingängige Strategie für den Einstieg in Social Media und Commerce vor – Die LEAD Strategie. Für unsere Leser im Grunde nichts neues, jedoch kurz und prägnant formuliert:

L – Listen
E – Experiment
A – Apply
D – Develop

Zu den beiden weiteren Referenten möchte ich mich abschließend kurz halten, da es primär um die praktische Anwendung von Social Media ging. Den Großteil der Erkenntnisse und Anwendungsbereiche haben wir bereits im Blog näher vorgestellt und/oder diskutiert.
Ruppert Bodmeier von yalook.com zeigte wie die Mischung aus Style-Portal und Mode-Shop heute erfolgreich Social Media in ihren Onlineauftritt integriert. Es herrscht reger Austausch mit der Community über Blog, Twitter und Facebook. Es wurde schnell deutlich, dass hier die Hausaufgaben gemacht wurden und über eine gute Mischung von Zuhören in der Community und Blogger Relations ein beinahe freundschaftliches Verhältnis zu den Usern und Kunden aufgebaut wurde.
Den Schluss der Vortragsreihe machte schließlich Scott Woods von Facebook Deutschland und führte die noch sichtlich Social-Media-unerfahrenen Zuhörer in die große Welt von Facebook ein. Der Fokus lag natürlich ganz im Sinne von Social Commerce in den Möglichkeiten die Facebook für Unternehmen bietet. Die Vorgestellten Tools und Möglichkeiten finden Sie unter facebook.com/advertising

Fazit

Es bedarf nur wenig Fantasie um sich die künftige Entwicklung von Social Media und E-Commerce vorzustellen. Social Media wird kommerzieller werden und E-Commerce auf der anderen Seite “sozialer”. Social Commerce beschreibt die Schnittmenge in der beide Seite durch die Stärken des Andrren profitieren werden. Es gilt nun diese Schnittmenge zu definieren und in ihr zu experimentieren. Dabei steht das Experimentieren im Vordergrund, denn beide Bereiche bieten eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten deren Nutzen und Kombinationen es individuell zu erforschen gilt. Auf der einen Seite werden viele klassische Social Media Tools Einzug in den E-Commerce finden, auf der anderen Seite aber auch ganz neue Synergien entstehen und neue Möglichkeiten entdeckt werden.
Letztlich wird auch das Thema “ROI on Social Media” neuen Aufwind erleben, da die strategische Verknüpfung hin zum Social Commerce unweigerlich die monetären Aspekte in den Vordergrund rückt. Es wird von entscheidender Bedeutung sein gute Antworten auf diese Fragen zu finden und Argumente zu liefern Social Commerce als ernst zu nehmende Disziplin in Marketing, Personal, Vertrieb und Entwicklung zu etablieren.

Das Whitepaper “Social Commerce – Monetizing Social Media” ist in deutscher und englischer Sprache im Facebook-Shop der Syzygy Group als PDF Download erhältlich.
Viele weiterführende Artikel, Beispiele und Anregungen von Paul Marsden zum Thema finden Sie auf SocialCommerceToday.com in englischer Sprache.